Zum Glück ist eine Arthroskopie lang nicht so schlimm wie eine Kreuzbandplastik, deshalb geht es mir heute schon relativ gut und ich bin schon recht mobil. Nur heute morgen war mir nach dem Infusionsnadel und Drainageschläuche ziehen noch ziemlich schummrig, aber nach einem Tag fasten auch kein Wunder. Nach dem Frühstück war ich dann auch qietschfidel. Anstrengend war der Tag aber trotzdem, und nun bin ich froh wenn ich schlafen kann und das Bein nochmal bisschen hochlegen und kühlen, ist doch jetzt recht schnell angeschwollen. Morgen früh endlich duschen! Für die Facebooker unter euch nichts neues, für den unwissenden Rest nochmal etwas Bildmaterial, unter anderem von der schicken bunten neuen Schiene (PTS-Schiene, sprich posterior tibial support) die ich nachts tragen darf die nächsten Wochen:

Die neue Knieschiene (PTS)Frisch operiert und müde...Das Knie vor der OP

Ich habe gerade eine fünfgängige Henkersmahlzeit verspeist (darunter Quittensenf, Schokoladenmousse und ein halbes, gegrilltes Aquarium beziehungsweise dessen Insassen), liege jetzt auf dem Krankenbett und kämpfe mit dem mühsam langsamen WLAN, meinen Ängsten und Hoffnungen bezüglich der OP morgen und der Müdigkeit.

Morgen früh wieder in das sexy OP-Leibchen schmeißen, wegnarkotisieren lassen und dann hoffentlich alle Kniesorgen los sein…

Fast fünf Monate nach der Kreuzbandrekonstruktion bahnt sich nun ein zweiter Akt meines Kniedramas an. Heute ging es erstmal wieder in die Röhre, MRT-Bilder machen. Man meint gar nicht, wie schwer es ist, sich einfach mal 15 Minuten gar nicht zu bewegen, selbst in einigermaßen bequemer Liegeposition. Anyway.

Die Diagnose:  Retropatellarer Knorpelschaden und ein Zyklops-Syndrom (kugelartige Wucherung von Narbengewebe im Gelenk, direkt vor dem neuen Kreuzband). Der Knorpelschaden sitzt hinter der Kniescheibe, hier sieht man es ganz schön (zum Vergleich ein Bild von einer anderen Stelle mit intaktem Knorpel):

Knorpelschaden Knorpel wie er sein sollte

Nun versuchen wir es erstmal mit zielgerichteter Krankengymnastik und viieeeel Radfahren. Viel Vertrauen scheint mein Doc aber nicht in diese Methode zu haben, denn die Unterlagen für die ‘Revisions-OP’ hat er mir gleich mitgegeben. Also eine Arthroskopie, bei der der Zyklops und der geschädigte Knorpel entfernt und letzterer geglättet wird, was dann wohl irgendwann April/Mai wäre.

Hmpf. Na wenns denn danach besser wird, mach ich alles mit.

Ach ja, außerdem entschuldige ich mich bei dem Autofahrer heute gegen 16.30 Uhr auf der A3 Passau Richtung Nürnberg,  dem ich mehrmals ohne Grund die Lichthupe gegeben habe. Das war keine Absicht, ich habe nur den Scheibenwischwasserknopf plötzlich nicht mehr gefunden. Ich war das quietschorange Auto mit den blauen Blumen drauf.

Ich bin frustriert. Dreieinhalb Monate nach der OP und genau fünf nach dem Kreuzbandriss ist das rechte Knie immer noch ziemlich hinüber, und es zieht das ehemals gesunde Knie gleich mit runter, das schmerzt inzwischen fleißig mit. Die Schmerzen variieren in Schüben von etwa zwei Wochen, aber insgesamt wird es nicht wirklich besser. Treppensteigen ist eine Qual, stehen auch, und sitzen ebenso. Und nicht nur das sitzen an sich ist unangenehm, nein, will ich erst danach das Knie wieder bewegen, dauert es eine ganze Weile bis das Bein wieder eingelaufen ist und sich einigermaßen vernünftig benutzen lässt. Unter der Kniescheibe knackst und knarzt es als ob der Meniskus mit der Kniescheibe einen draufmachen würde, und langsam dreh ich echt durch. Als bekennender Googlechonder/Symptomgoogler habe ich mir jetzt neuerdings den Floh ins Ohr gesetzt, dass möglicherweise der Knorpel kaputt ist und eine Arthrose aufzieht. Zweitgradig war der Knorpel ja schon zum Zeitpunkt der OP geschädigt.

Und nun frage ich mich ernsthaft, wieso ich nicht jeden Tag meines vormals kniebeschwerdefreien Lebens dazu genutzt habe, irgendwas tolles mit meinen Knien zu machen. Als es noch ging. Fußballspielen, Hockey in allen Variationen, Joggen, Surfen, Mountainbiken, Snowboarden, Snowbiken und extremere Sachen…  ich meine, all das habe ich mehr oder weniger oft gemacht, aber wieso habe ich das nicht ausgenutzt, als ich meine Beine noch wie von der Natur vorgesehen verwenden konnte? Wieso bin ich nicht jeden Tag einfach mal gerannt, mal drei Stockwerke hochgejoggt, klettern gewesen, Skateboardfahren, Wellenreiten, was auch immer, Cross-Einradfahren, total egal, whatever.

Ist das nur ein ganz normaler Kreuzbandkoller? Ich weiß es nicht. Mittwoch ist zweiter Nachuntersuchungstermin in Straubing beim Kreuzbandgott, da werde ich vielleicht mehr erfahren wie es um das Knie bestellt ist. Hofft mit mir.

Gute zehn Wochen nach der Kreuzband-OP muss ich doch mal wieder ein kleines Update bezüglich meines Knies geben. Nach drei von vier Wochen Reha gab es letzte Woche doch einen ersten Schub nach vorne, in Richtung Besserung – zwischen vor der Reha und jetzt liegen Welten, dank meines geliebten und leicht sadistisch veranlagten Physiotherapeuten und dem Rest des Rehazentrums. Treppensteigen geht langsam einigermaßen, Ergometer fahren wird auch immer besser, und mit entsprechender Vorbereitung ist die Beweglichkeit auch schon ziemlich gut, fast so gut wie das andere Knie. Nur schmerzhafter. Vom Zustand ‘schmerzfrei’ bin ich dann doch noch recht weit weg. Dazu kommt, dass inzwischen das gesunde (?) Knie fleißig mitschmerzt, aber ich hoffe nur vorübergehend, aufgrund der Mehrbelastung wegen des kaputten Knies.

Abgesehen davon sieht das kaputte Knie jetzt nur leider aus, als hätte Jackson Pollock Action Painting mit einem Skalpell drauf betrieben. Gar nicht so sehr allein wegen der vier neuen Narben von der Kreuzband-OP, eher im Zusammenspiel mit den ganzen anderen Narben am und um dem rechten Knie, während das linke eine geradezu jungfräuliche Narbenfreiheit aufweist. Aber ich will die Wade vom kaputten Knie ja eh mal tätowieren lassen (wenn ich mal das Geld haben sollte…), das wird dann von den Narben ablenken.

Ansonsten trainiere ich fleißig, um Muskulatur wiederaufzubauen, und um bald wieder spaßsportfähig zu sein. No surrender!

Nach einem Krückenupdate heute noch ein Knieupdate. Nach mehr als 4 Wochen ist es immer noch deutlich geschwollen, die Streckung ist ganz gut, die Beugung nicht. Da geht nur an guten Tagen mal mehr als 90 Grad, und dann auch nicht viel mehr.  Die Muskeln am kaputten Bein sind praktisch nicht mehr vorhanden. So siehts aus:

Trotzdem werde ich nicht aufgeben. In 8 Monaten wird wieder Unihockey gespielt! Basta. Vorher irgendwann schonmal bisschen mit dem Schläger trainieren, das wird ja gehen, nur spielen noch nicht. Aber vorher muss ich jetzt erst mal ohne Krücken laufen können. Ich wollte eigentlich noch so richtig grimmig gucken auf dem Bild, aber wie bereits einmal erwähnt ist mein Selbstauslöser zu schnell als dass ich noch eine ordentliche Grimasse ziehen konnte.

Haha! Die Nachuntersuchung zeigte heute, das neue Kreuzband sitzt bombenfest und nun darf ich mich die nächste Woche daran erfreuen, mir die Krücken ab- und die Vollbelastung wieder anzutranieren. Was heißt, ich darf schon nur noch mit einer Krücke und in der Wohnung auch mal ganz ohne rumlaufen! Ohne Thrombosestrümpfe und -spritzen! Tadaaa! Was ist das toll, wenn man ein Glas Wasser selber tragen kann! Türen aufmachen, ohne stehenzubleiben! Teller selber zu tragen, mit Pizza drauf! Oder rumlaufen und dabei telefonieren! Oder oder oder. Wie schön es ist, ganz plötzlich wieder ein Stück Lebensqualität zurückzuerobern – Da zeigt sich doch gleich die Sonnen-Schokoladenseite des Lebens in den kleinsten Facetten. Hurra!

So. Aus der schönen Klinik bin ich nun leider raus heute, und natürlich muss genau wenn wir nach Hause fahren (Auto fahren ist schon an sich scheiße unangenehm) eine Vollsperre auf der Autobahn sein. Zweieinhalb Stunden. Und wieso? Es wird noch auf den Gutachter gewartet. Kein Scheiß!

Anyway. Erst mal noch etwas magenfreundliches, so sah ich heute noch zufrieden und einigermaßen schmerzfrei auf meinem Balkon in der Klinik aus (danach kam die Autofahrtortur die mich wieder in einen Dämmerzustand des Schmerzes geschickt hat):

Jetzt steigern wir uns langsam in die magenunfreundlicheren Gefilde. Langsam. Erstmal das Knie ohne Pflaster:

Das ist aber immer noch ziemlich harmlos. Und jetzt nur was für die ganz harten. Ohne Witz. Alle Kreuzbandler die am Donnerstag mit mir zusammen operiert wurden und heute ebenfalls entlassen wurden mussten sich vorher noch einen 30 (!!) Minuten langen FIlm ansehen, wie so eine OP abläuft. Bis ins kleinste Detail gefilmt was Herr Dr. Eichhorn und sein Team so für Wundertaten vollbringen. Wir drei Mädels haben tapfer durchgehalten, die Männer haben alle nach 10 Minuten schon nicht mehr hingeguckt. Dreißig Minuten erspar ich euch, aber hier das ganze in drei Minuten. Ähnliche Technik, aber die verwenden Interferenzschrauben zum befestigen des Kreuzbandes, bei mir sind es kleine Titan-Plättchen/-Röhrchen. Viel Spaß. Nichts für zartbesaitete Mägen.

Langsam werden sie Schmerzen ertragbar. Gestern durfte ich ja GAR NICHT aufstehen, ich durfte nicht mal aufs Klo humpeln… Konnte es aber so verzögern dass ich nicht die Bekanntschaft einer Bettpfanne machen musste. Das geht ja mal gar nicht. Aber ich fange von vorne an.

Man wird ja da vor dem OP-Saal erst mal vorbereitet wie ein Geschenk in Geschenkpapier. Hier ne Manschette um den Oberschenkel, da Watte, da ein Klebeband, da ein Mützchen. Dannn gings auf den fiesen OP-Tisch wo noch alle Gliedmaßen einzeln platziert wurden. Es gab auch diesen coolen FIngerclip, den man bei Dr. House immer sieht, der den Puls misst. Und dann gabs urplötzlich eine Atemmaske (nur mit reinem Sauerstoff) und da spritzt der Anästhesist schon eine Spritze voll Narkotika in die bereits in den Unterarm gelegte Infusionsnadel. Und BÄM, da hats mich weggeknallt, aber so richtig. Das war schon ein echt schriller Sekundenrausch. Aufwachen war eigentlich ganz chillig, es war nur saukalt, aber dafür gabs so ne tolle Wärme-Lampe, wie solche die man über kleine Küken hängt. Dann wurde es ziemlich lustig, meine Aufwachnachbarin und ich waren ziemlich aufgedreht und haben mit den männlichen Schwestern rumgealbert. Dann wars schon so gegen 16 Uhr als wir aus dem Aufwachraum ins Zimmer kamen (da liegt man so 2 Stunden, so um halb 12 wird die OP angefangen haben etwa), und da hat man ja dann den ganzen Tag weder was gegessen noch getrunken. Also gabs etwas Suppe, die auch saulecker war, und von der ich ein bisschen was probiert habe. Dann hats aber nicht lang gedauert, und die Suppe hat sich wieder aus meinen Magen aufs Tablett gesellt. Die zwei Nierenschüsseln die die Schwester dann gebracht hat, hab ich auch noch vollgekotzt, und drei Minuten später kam das Abendessen. Na toll. Das ist richtig fies wenn man nichts essen kann aber sauhungrig ist. Nach 3 weiteren Stunden konnte ich dann doch noch was vom kalten Abendessen probieren. Und dann kam eine laaaaange Nacht… Zuerst mehr Schmerzpillen, dann noch ein Schmerztrank, und am Ende konnte ich gegen 2 Uhr nur noch mit einer Schmerzmittelinfusion schlafen. Und dann, heute morgen, musste der Doc die beiden Drainage-Schläuche aus der Wunde ziehen… Alter Schwede, was hab ich geschrien. Das hat unglaublich weh getan. Und dann nicht nur einen Thrombosestrumpf über die frische Wunde ziehen, nein, dann auch noch den zweiten drüber. Die erste Lymphdrainage ging dann ganz gut, nur der nette junge Krankengymnast hat wieder so unglaublich fies irgendwo ans Knie gefasst dass ich ihm am liebsten eine gelangt hätte. Als mir die Tränen übers Gesicht liefen hat er sich aber noch ganz lieb entschuldigt, da sei wohl etwas Blut an die Stelle runtergelaufen, da täte das normalerweise nicht so weh. Aber er sagte auch ich kann mein Knie schon recht gut wieder beugen, und Montag seh ich ihn nochmal. Bis dahin dreimal am Tag 20 Minuten Salbenverband sowie Elektrostimulation für den Muskel Vastus Medialis – letzteres auch alles andere als angenehm. Laufen mit Krücken schmerzt auch noch ziemlich, aber zumindest ist der Grundschmerz nicht mehr so schlimm, nur noch phasenweise. Und gerade hatte ich das erste leckere Essen, das ich voll genießen konnte, ohne aufkommende Übelkeit.

Also so fies und mühsam hätt ich mir das dann doch nicht vorgestellt – ich weiß ja nicht, wie ich schon am Dienstag die fünf Stockwerke in meine Wohnung hochkommen soll. Ich weiß auch nicht, wo ein guter Physiotherapeut in Erlangen ist den ich ja bald kontaktieren müsste, und dann weiß ich erst recht nicht wie ich da jeden Tag hinkommen soll.

Bin also etwas betrübt aufgrund dieser Aussichten und der Schmerzen, aber zumindest hatte ich heut tollen Besuch. Noch ein paar Bilder zum Abschluss (keine Angst, die ekligen mit den blutigen Schläuchen und dem Schmerzkatheter in der Leiste sind nicht dabei – da habe ich die Kamera nicht erreicht die ja zwei Meter vom Bett weg war):

Was außerdem noch extra fies war: Ich hab mir ja extra Spore in die Klinik schicken lassen gestern. Und als ich dann nach der OP im Bett auf meinem Zimmer lag, lag das Paket natürlich auf dem zwei Meter weit weg stehendem Regal und ich durfte mich nicht bewegen…

Gestern nacht gabs Tranxilium-Gute-Nacht-Pillen, damit man auch gut schlafen kann vor der OP. Die machten mich auch wahnsinnig müde, aber einschlafen konnte ich nicht. Dann habe ich vielleicht 5 Stunden geschlafen und den allergrößten Mist geträumt. Dann lag ich wach, gegen halb 4, und musste über den ganzen Mist nachdenken den ich gerade geträumt hatte und das wiederum ging nahtlos über in neuen Mist den ich wieder anfing zu träumen. Und so ging das weiter die ganze Nacht. Da kriegt man schon sowas wie Valium und dann kann man erst recht nicht schlafen. Ungerecht! Ansonsten habe ich mich brav mit antiseptischem Duschgel gewaschen, hab mein rechtes Bein schon mit einem großen Kreuz mit Edding auf dem Fuß markiert bekommen, und natürlich eine Thrombose-Spritze. Von denen ich handtellergroße blaue Flecke kriege, und weil mein Fettgewebe am Bauch dann noch nicht mehr ganz so zahlreich ist, schmerzt die dumme Spritze auch noch. Nicht beim spritzen, aber danach.

Und nun liege ich mit einem schicken Thrombose-Strumpf auf meinem Bett und warte auf die Herren Doktores, die zur VIsite kommen gegen 9 Uhr und einem dann die ungefähre Uhrzeit der OP nennen. Dann werde ich mich ins schicke OP-Leibchen schmeißen und dann ein schickes neues Kreuzband bekommen.

Meine Krücken hab ich auch schon, in tollem azurblau. Vielleicht kann ich ja jetzt noch ein Stündchen schlafen, wenn die Wirkung vom Tranxilium weg ist. Verkehrte Welt. Aber vorher mach ich euch noch ein Bild: