Langsam werden sie Schmerzen ertragbar. Gestern durfte ich ja GAR NICHT aufstehen, ich durfte nicht mal aufs Klo humpeln… Konnte es aber so verzögern dass ich nicht die Bekanntschaft einer Bettpfanne machen musste. Das geht ja mal gar nicht. Aber ich fange von vorne an.

Man wird ja da vor dem OP-Saal erst mal vorbereitet wie ein Geschenk in Geschenkpapier. Hier ne Manschette um den Oberschenkel, da Watte, da ein Klebeband, da ein Mützchen. Dannn gings auf den fiesen OP-Tisch wo noch alle Gliedmaßen einzeln platziert wurden. Es gab auch diesen coolen FIngerclip, den man bei Dr. House immer sieht, der den Puls misst. Und dann gabs urplötzlich eine Atemmaske (nur mit reinem Sauerstoff) und da spritzt der Anästhesist schon eine Spritze voll Narkotika in die bereits in den Unterarm gelegte Infusionsnadel. Und BÄM, da hats mich weggeknallt, aber so richtig. Das war schon ein echt schriller Sekundenrausch. Aufwachen war eigentlich ganz chillig, es war nur saukalt, aber dafür gabs so ne tolle Wärme-Lampe, wie solche die man über kleine Küken hängt. Dann wurde es ziemlich lustig, meine Aufwachnachbarin und ich waren ziemlich aufgedreht und haben mit den männlichen Schwestern rumgealbert. Dann wars schon so gegen 16 Uhr als wir aus dem Aufwachraum ins Zimmer kamen (da liegt man so 2 Stunden, so um halb 12 wird die OP angefangen haben etwa), und da hat man ja dann den ganzen Tag weder was gegessen noch getrunken. Also gabs etwas Suppe, die auch saulecker war, und von der ich ein bisschen was probiert habe. Dann hats aber nicht lang gedauert, und die Suppe hat sich wieder aus meinen Magen aufs Tablett gesellt. Die zwei Nierenschüsseln die die Schwester dann gebracht hat, hab ich auch noch vollgekotzt, und drei Minuten später kam das Abendessen. Na toll. Das ist richtig fies wenn man nichts essen kann aber sauhungrig ist. Nach 3 weiteren Stunden konnte ich dann doch noch was vom kalten Abendessen probieren. Und dann kam eine laaaaange Nacht… Zuerst mehr Schmerzpillen, dann noch ein Schmerztrank, und am Ende konnte ich gegen 2 Uhr nur noch mit einer Schmerzmittelinfusion schlafen. Und dann, heute morgen, musste der Doc die beiden Drainage-Schläuche aus der Wunde ziehen… Alter Schwede, was hab ich geschrien. Das hat unglaublich weh getan. Und dann nicht nur einen Thrombosestrumpf über die frische Wunde ziehen, nein, dann auch noch den zweiten drüber. Die erste Lymphdrainage ging dann ganz gut, nur der nette junge Krankengymnast hat wieder so unglaublich fies irgendwo ans Knie gefasst dass ich ihm am liebsten eine gelangt hätte. Als mir die Tränen übers Gesicht liefen hat er sich aber noch ganz lieb entschuldigt, da sei wohl etwas Blut an die Stelle runtergelaufen, da täte das normalerweise nicht so weh. Aber er sagte auch ich kann mein Knie schon recht gut wieder beugen, und Montag seh ich ihn nochmal. Bis dahin dreimal am Tag 20 Minuten Salbenverband sowie Elektrostimulation für den Muskel Vastus Medialis – letzteres auch alles andere als angenehm. Laufen mit Krücken schmerzt auch noch ziemlich, aber zumindest ist der Grundschmerz nicht mehr so schlimm, nur noch phasenweise. Und gerade hatte ich das erste leckere Essen, das ich voll genießen konnte, ohne aufkommende Übelkeit.

Also so fies und mühsam hätt ich mir das dann doch nicht vorgestellt – ich weiß ja nicht, wie ich schon am Dienstag die fünf Stockwerke in meine Wohnung hochkommen soll. Ich weiß auch nicht, wo ein guter Physiotherapeut in Erlangen ist den ich ja bald kontaktieren müsste, und dann weiß ich erst recht nicht wie ich da jeden Tag hinkommen soll.

Bin also etwas betrübt aufgrund dieser Aussichten und der Schmerzen, aber zumindest hatte ich heut tollen Besuch. Noch ein paar Bilder zum Abschluss (keine Angst, die ekligen mit den blutigen Schläuchen und dem Schmerzkatheter in der Leiste sind nicht dabei – da habe ich die Kamera nicht erreicht die ja zwei Meter vom Bett weg war):

Was außerdem noch extra fies war: Ich hab mir ja extra Spore in die Klinik schicken lassen gestern. Und als ich dann nach der OP im Bett auf meinem Zimmer lag, lag das Paket natürlich auf dem zwei Meter weit weg stehendem Regal und ich durfte mich nicht bewegen…

Ich würde ja gern ausführlich den Tag beschreiben, aber ich hab zuviele Schmerzen, den ganzen nachmittag gekotzt von der Narkose und jetzt bin ich zu müde.

Aber die OP ist gut gelaufen, das ist die Hauptsache : )

Morgen darf ich auch wieder aufstehen, mehr also morgen. Ich komm außerdem gar nicht an den Fotoapparat ran der nur zwei Meter weg liegt, und ohne Bilder wärs eh langweilig.

Gestern nacht gabs Tranxilium-Gute-Nacht-Pillen, damit man auch gut schlafen kann vor der OP. Die machten mich auch wahnsinnig müde, aber einschlafen konnte ich nicht. Dann habe ich vielleicht 5 Stunden geschlafen und den allergrößten Mist geträumt. Dann lag ich wach, gegen halb 4, und musste über den ganzen Mist nachdenken den ich gerade geträumt hatte und das wiederum ging nahtlos über in neuen Mist den ich wieder anfing zu träumen. Und so ging das weiter die ganze Nacht. Da kriegt man schon sowas wie Valium und dann kann man erst recht nicht schlafen. Ungerecht! Ansonsten habe ich mich brav mit antiseptischem Duschgel gewaschen, hab mein rechtes Bein schon mit einem großen Kreuz mit Edding auf dem Fuß markiert bekommen, und natürlich eine Thrombose-Spritze. Von denen ich handtellergroße blaue Flecke kriege, und weil mein Fettgewebe am Bauch dann noch nicht mehr ganz so zahlreich ist, schmerzt die dumme Spritze auch noch. Nicht beim spritzen, aber danach.

Und nun liege ich mit einem schicken Thrombose-Strumpf auf meinem Bett und warte auf die Herren Doktores, die zur VIsite kommen gegen 9 Uhr und einem dann die ungefähre Uhrzeit der OP nennen. Dann werde ich mich ins schicke OP-Leibchen schmeißen und dann ein schickes neues Kreuzband bekommen.

Meine Krücken hab ich auch schon, in tollem azurblau. Vielleicht kann ich ja jetzt noch ein Stündchen schlafen, wenn die Wirkung vom Tranxilium weg ist. Verkehrte Welt. Aber vorher mach ich euch noch ein Bild:

So, nun ist es definitiv, das Kreuzband ist durch. Komplett. Jetzt heißt es irgendwann eine Sprechstunde bei der bisher favorisierten OP-Location in Straubing zu kriegen. Und dann irgendwann in ein paar Monaten einen OP-Termin. Brrrr. Ich weiß ja, dass man beim Krezbandriss eh noch warten muss mit der OP, aber… naja… ich hab das warten auch irgendwie satt :-/

Nun kann ich wenigstens Radfahren und bisschen trainieren bis dahin. Erfahrungsaustausch ähnlich leidender oder Tipps für Kreuzband-OP-Spezialisten nehme ich dankend entgegen. Die in Straubing machen jedenfalls zu zweit beziehungsweise zu dritt gut 900 OPs nur am vorderen Kreuzband, das klingt schon mal nicht schlecht…

Da ich im Moment eh an nichts anderes denken kann als an das blöde Kreuzband, aber ich auch nicht viel Zeit habe gerade (weil ich gleich aufs Bardentreffen in Nürnberg fahre), habe ich einfach mal ein animiertes gif aus den Bildern vom MRT (Magnet-Resonanz- bzw. Kernspin-Tomographie) gemacht.

myspace graphic at Gickr

So sollte das eigentlich aussehen mit dem vorderen und hinteren Kreuzband:

Ich bin jetzt zwar kein Radiologe, aber ich sehe da doch einen deutlichen Unterschied, nämlich dass vom vorderen nicht mehr viel übrig ist. So far so bad, mal gucken was der endgültige Bericht vom Radiologen am Montag sagt.

Argh. Da komm ich nach der Kernspin zum Radiologen-Doc und der eröffnet mir ganz feinfühlig:

Also, ich muss mir die Bilder zwar nochmal in Ruhe anschauen… Aber so wie das auf den ersten Blick aussieht… ist von ihrem vorderen Kreuzband nicht viel mehr übrig als ein Stumpen und ein paar zerfiederte Fasern.

*EPIC GRUMMEL*

Da mich mein vorderes Kreuzband meines rechten Knies noch nicht mal Stöckelschuhe anziehen lässt (und dabei hab ich mir doch im SSV gerade erst sooo tolle neue hohe Schuhe gekauft), ergötze ich mich an anderen armen Schweinen, die im Sport eins auf die Mütze kriegen. Eishockey ist dafür ja wie prädestiniert (wenn die Saison losgeht… vielleicht mal auf ein Ice Digers Spiel gegen Ingolstadt gehen?), und deshalb hier einer der spektakulärsten Eishockey-Checks ever:

Ätsch!

Ärzten misstraue ich ja als gebranntes Kind schonmal grundsätzlich, und nach einem Besuch bei einem anständigen Orthopäden in Ingolstadt hat sich mein Misstrauen gegen den von mir aufgesuchten Orthopäden in Erlangen leider mal wieder bestätigt. Während besagter Quackslaber irgendeinen Mist von einem gestauchten Gelenk gequatscht hat (wie kann ich mir bitte aus einer Verdrehung heraus etwas verstauchen, das impliziert doch zwei grundverschiedene Kräfteeinwirkungen) und gleich mal aus Versehen noch beinahe meinen Knöchel statt mein Knie geröntgt haben, ist die Diagnose jetzt vorderes Kreuzband. Welches sich Frauen übrigens doppelt bis viermal sooft verletzen wie Männer! Das ist UNFAIR. Wegen Anatomie und anderem Hormonhaushalt muss ich jetzt rumhumpeln (Ihr seht schon, ich bin emotional aufgewühlt und lasse Frust ab).

Was aber noch dazukommt, ist, dass der Orthopäde ohne MRT (Kernspin- oder Magnetresonanz-Tomographie) nicht genau sagen kann, ob besagtes Kreuzband gezerrt oder angerissen oder sonstwas ist. Da müssen sie zum Radiologen, ich geb ihnen eine Überweisung, gucken sie mal wann sie einen Termin kriegen, dann kommen sie wieder, dann verschreib ich ihnen Gymnastik je nach Diagnose.

Schön und gut. Ruft man beim Radiologen an, ja, tut uns leid, der nächste Termin den wir haben ist leider erst wieder Ende August, Anfang September. Ruft man in der nächsten Praxis an, dasselbe Trauerspiel. Bis dahin ist mein Knie schwarz und das halbe Bein abgefallen!! Wie kann das denn sein dass man eineinhalb Monate auf einen blöden Termin warten muss, der nunmal wichtig für die Diagnose ist? Was soll ich bis dahin machen, auf eine Wunderheilung hoffen und nach Lourdes humpeln oder wie?

Hmpf. Das ist schon sehr deprimierend manchmal. Und dazu habe ich mich heute morgen noch halb im Tiefschlaf im Bett umgedreht, mein Handy ist runtergefallen, ich setz mich auf, und ich Volldepp knie mich auf das kaputte Knie um mich runterzubeugen um das Handy aufzuheben, weil ich in meinem schlaftrunkenem Zustand nicht an das Knie gedacht hab. Und dann höre ich wieder ein komisches Geräusch im Knie und dann liefen mir erst mal 10 Minuten vor Schmerz die Tränen übers Gesicht.

Ich will wieder Hockey spielen… Buhuhuhu…. Ärzte sind alle doof.