(K)needless to say: Same shit every day.

Wir befinden uns im Monat 9 nach dem Kreuzbandriss, Monat 7 nach der ersten Kreuzband-OP, Woche 4einhalb nach der zweiten OP.

Inzwischen bin ich fest davon überzeugt, dass es besser gewesen wäre, das Knie nicht operieren zu lassen. Dann hätte ich vielleicht drei, fünf, zehn, fünfzehn schmerzfreie Jahre vor mir gehabt, bis das Knie von einer Arthrose zerfressen worden wäre. So habe ich jetzt schon ein komplett kaputtes Knie. Die zweite OP hat zwar die passive Beweglichkeit wiederhergestellt, aber das war es dann auch schon. Dieselben Schmerzen, nach wie vor, wie in den letzten 7 Monaten. Ich habe Schmerzen beim Treppen steigen, ich kann nicht in die Knie gehen, mich nicht normal bücken, schon gar nicht in die Hocke gehen, keine Ausfallschritte, keine Kniebeugen, hinknien kann ich mich auch nicht, ich kann nicht joggen, nicht laufen, nicht belasten, nicht springen, nicht mal auf dem Crosstrainer kann ich mich bewegen, und Radfahren geht fast nur ohne Widerstand.

Bravo. Die Ärzte- und Physiotherapeutenschaft hat wieder mal ganze Arbeit an mir geleistet. Und es kann mir nicht mal jemand sagen, wo die Schmerzen überhaupt herkommen. Aber Hauptsache, die Ärzte und Physiotherapeuten verdienen gut, ich meine, wieso sollte man einem auch von einer teuren OP abraten, wenn man sich doch an zwei sinnlosen OPs, Anästhesiegesprächen, drei Rehas und ungezählten Stunden Physiotherapie und Kontrollterminen bereichern kann. Viel Geld verpufft, und dem Patienten geht es schlechter als je zuvor. Ein Hoch auf unser Gesundheitswesen.

Fast fünf Monate nach der Kreuzbandrekonstruktion bahnt sich nun ein zweiter Akt meines Kniedramas an. Heute ging es erstmal wieder in die Röhre, MRT-Bilder machen. Man meint gar nicht, wie schwer es ist, sich einfach mal 15 Minuten gar nicht zu bewegen, selbst in einigermaßen bequemer Liegeposition. Anyway.

Die Diagnose:  Retropatellarer Knorpelschaden und ein Zyklops-Syndrom (kugelartige Wucherung von Narbengewebe im Gelenk, direkt vor dem neuen Kreuzband). Der Knorpelschaden sitzt hinter der Kniescheibe, hier sieht man es ganz schön (zum Vergleich ein Bild von einer anderen Stelle mit intaktem Knorpel):

Knorpelschaden Knorpel wie er sein sollte

Nun versuchen wir es erstmal mit zielgerichteter Krankengymnastik und viieeeel Radfahren. Viel Vertrauen scheint mein Doc aber nicht in diese Methode zu haben, denn die Unterlagen für die ‘Revisions-OP’ hat er mir gleich mitgegeben. Also eine Arthroskopie, bei der der Zyklops und der geschädigte Knorpel entfernt und letzterer geglättet wird, was dann wohl irgendwann April/Mai wäre.

Hmpf. Na wenns denn danach besser wird, mach ich alles mit.

Ach ja, außerdem entschuldige ich mich bei dem Autofahrer heute gegen 16.30 Uhr auf der A3 Passau Richtung Nürnberg,  dem ich mehrmals ohne Grund die Lichthupe gegeben habe. Das war keine Absicht, ich habe nur den Scheibenwischwasserknopf plötzlich nicht mehr gefunden. Ich war das quietschorange Auto mit den blauen Blumen drauf.

Von meinem sehr gespaltenen Verhältnis zu Ärzten jeglicher Sorte hat der geneigte Vielleser meines Blogs wahrscheinlich schon erfahren. Nun war ich mit meinem Knie bei der Nachkontrolle, und was kommt? Das übliche. Ja, normal ist das nicht, dass Sie noch solche Schmerzen haben, aber es kommt schon mal vor. Sie könne jetzt auch nicht sagen, wo die Schmerzen herkommen, aber wenn sie in sechs Wochen nicht weg wären, müssten sie  nochmal MRT-Bilder machen (Kernspintomographie). Ein Paradebeispiel für meine Lieblingsmentalität bei Ärzten: Normal ist es nicht, wir wissen nicht was es ist, aber wenns in ein paar Wochen nicht weg ist, wars wohl was ernsteres.

Und vor allem, wo ist die gute alte Untersuchung hin? Ja klar, untersucht wurde schon, ob das Kreuzband sitzt. Mein neues Kreuzband sitzt super fest und ist stabiler als das Originalkreuzband auf der anderen Seite. Das ist ja auch toll und das wurde sehr sorgfältig untersucht. Aber wo die Schmerzen herkommen? Keine weitere Untersuchung dazu, keine Nachfragen, wo, wann und bei was die Schmerzen auftreten. Ist ja auch einfacher, den Patienten in die Röhre zu schieben und dann schöne Bilder zu haben als vorher womöglich mühsam Fragen zu stellen und zu untersuchen. Mein Physiotherapeut macht sich da viel mehr Gedanken, wieso machen das nicht die (meisten) Ärzte? Was haben die denn gemacht, als es noch keine MRTs und CTs gegeben hat? Einfach mal jedes Knie aufgeschnitten um mal reinzugucken?

Aber was jammere ich überhaupt, jeder weitere Arztbesuch in meinem Leben bestätigt mich nur wieder, das wird sich wohl alles nicht ändern lassen…

Ich bin frustriert. Dreieinhalb Monate nach der OP und genau fünf nach dem Kreuzbandriss ist das rechte Knie immer noch ziemlich hinüber, und es zieht das ehemals gesunde Knie gleich mit runter, das schmerzt inzwischen fleißig mit. Die Schmerzen variieren in Schüben von etwa zwei Wochen, aber insgesamt wird es nicht wirklich besser. Treppensteigen ist eine Qual, stehen auch, und sitzen ebenso. Und nicht nur das sitzen an sich ist unangenehm, nein, will ich erst danach das Knie wieder bewegen, dauert es eine ganze Weile bis das Bein wieder eingelaufen ist und sich einigermaßen vernünftig benutzen lässt. Unter der Kniescheibe knackst und knarzt es als ob der Meniskus mit der Kniescheibe einen draufmachen würde, und langsam dreh ich echt durch. Als bekennender Googlechonder/Symptomgoogler habe ich mir jetzt neuerdings den Floh ins Ohr gesetzt, dass möglicherweise der Knorpel kaputt ist und eine Arthrose aufzieht. Zweitgradig war der Knorpel ja schon zum Zeitpunkt der OP geschädigt.

Und nun frage ich mich ernsthaft, wieso ich nicht jeden Tag meines vormals kniebeschwerdefreien Lebens dazu genutzt habe, irgendwas tolles mit meinen Knien zu machen. Als es noch ging. Fußballspielen, Hockey in allen Variationen, Joggen, Surfen, Mountainbiken, Snowboarden, Snowbiken und extremere Sachen…  ich meine, all das habe ich mehr oder weniger oft gemacht, aber wieso habe ich das nicht ausgenutzt, als ich meine Beine noch wie von der Natur vorgesehen verwenden konnte? Wieso bin ich nicht jeden Tag einfach mal gerannt, mal drei Stockwerke hochgejoggt, klettern gewesen, Skateboardfahren, Wellenreiten, was auch immer, Cross-Einradfahren, total egal, whatever.

Ist das nur ein ganz normaler Kreuzbandkoller? Ich weiß es nicht. Mittwoch ist zweiter Nachuntersuchungstermin in Straubing beim Kreuzbandgott, da werde ich vielleicht mehr erfahren wie es um das Knie bestellt ist. Hofft mit mir.

Gute zehn Wochen nach der Kreuzband-OP muss ich doch mal wieder ein kleines Update bezüglich meines Knies geben. Nach drei von vier Wochen Reha gab es letzte Woche doch einen ersten Schub nach vorne, in Richtung Besserung – zwischen vor der Reha und jetzt liegen Welten, dank meines geliebten und leicht sadistisch veranlagten Physiotherapeuten und dem Rest des Rehazentrums. Treppensteigen geht langsam einigermaßen, Ergometer fahren wird auch immer besser, und mit entsprechender Vorbereitung ist die Beweglichkeit auch schon ziemlich gut, fast so gut wie das andere Knie. Nur schmerzhafter. Vom Zustand ‘schmerzfrei’ bin ich dann doch noch recht weit weg. Dazu kommt, dass inzwischen das gesunde (?) Knie fleißig mitschmerzt, aber ich hoffe nur vorübergehend, aufgrund der Mehrbelastung wegen des kaputten Knies.

Abgesehen davon sieht das kaputte Knie jetzt nur leider aus, als hätte Jackson Pollock Action Painting mit einem Skalpell drauf betrieben. Gar nicht so sehr allein wegen der vier neuen Narben von der Kreuzband-OP, eher im Zusammenspiel mit den ganzen anderen Narben am und um dem rechten Knie, während das linke eine geradezu jungfräuliche Narbenfreiheit aufweist. Aber ich will die Wade vom kaputten Knie ja eh mal tätowieren lassen (wenn ich mal das Geld haben sollte…), das wird dann von den Narben ablenken.

Ansonsten trainiere ich fleißig, um Muskulatur wiederaufzubauen, und um bald wieder spaßsportfähig zu sein. No surrender!

Haha! Die Nachuntersuchung zeigte heute, das neue Kreuzband sitzt bombenfest und nun darf ich mich die nächste Woche daran erfreuen, mir die Krücken ab- und die Vollbelastung wieder anzutranieren. Was heißt, ich darf schon nur noch mit einer Krücke und in der Wohnung auch mal ganz ohne rumlaufen! Ohne Thrombosestrümpfe und -spritzen! Tadaaa! Was ist das toll, wenn man ein Glas Wasser selber tragen kann! Türen aufmachen, ohne stehenzubleiben! Teller selber zu tragen, mit Pizza drauf! Oder rumlaufen und dabei telefonieren! Oder oder oder. Wie schön es ist, ganz plötzlich wieder ein Stück Lebensqualität zurückzuerobern – Da zeigt sich doch gleich die Sonnen-Schokoladenseite des Lebens in den kleinsten Facetten. Hurra!

Alles totaler Müll! Alles! Der EA Support ist fürn A****. Nichts weiter als eine nichtsnutzige automatisch generierte Antwort, in der drinsteht, dass man nochmal eine persönliche Antwort erhält. Am nächsten Tag aber statt einer persönlichen Antwort gleich mal eine Mail, ja, Ihr Problem ist ja gelöst, wie waren sie denn mit dem Support zufrieden, bitte beantworten Sie unsere Umfrage. Die können sich ihre Umfrage in den Hintern schieben, so eine Frechheit, mich zu fragen wie ich mit der Lösung des Problems zufrieden war, wenn das Problem ist, dass das Problem noch nicht gelöst ist. *@?#%&$ *zeter*

Und außerdem bin ich noch weiterhin gefrustet, dass heute nachmittag das Knie endlich mal besser war, ich zum ersten Mal durchgeschlafen habe, dann aber am Nachmittag mit den Krücken ausrutsche und das neue Kreuzband gleich mal auf die erste Zerreißprobe gestellt habe. Gerissen ist es glaube ich nicht, aber mich plagen trotzdem Horrorvisionen, auch davon, dass es jetzt ausgelockert ist und nochmal festgezogen werden muss oder schlimmeres, ach manchmal ist doch echt alles Müll… Und dabei war das eigentlich so ein schöner Tag mit all meinen Liebsten, meiner Family, Neffen und Nichten…

*grummelfrustschieb*

So. Aus der schönen Klinik bin ich nun leider raus heute, und natürlich muss genau wenn wir nach Hause fahren (Auto fahren ist schon an sich scheiße unangenehm) eine Vollsperre auf der Autobahn sein. Zweieinhalb Stunden. Und wieso? Es wird noch auf den Gutachter gewartet. Kein Scheiß!

Anyway. Erst mal noch etwas magenfreundliches, so sah ich heute noch zufrieden und einigermaßen schmerzfrei auf meinem Balkon in der Klinik aus (danach kam die Autofahrtortur die mich wieder in einen Dämmerzustand des Schmerzes geschickt hat):

Jetzt steigern wir uns langsam in die magenunfreundlicheren Gefilde. Langsam. Erstmal das Knie ohne Pflaster:

Das ist aber immer noch ziemlich harmlos. Und jetzt nur was für die ganz harten. Ohne Witz. Alle Kreuzbandler die am Donnerstag mit mir zusammen operiert wurden und heute ebenfalls entlassen wurden mussten sich vorher noch einen 30 (!!) Minuten langen FIlm ansehen, wie so eine OP abläuft. Bis ins kleinste Detail gefilmt was Herr Dr. Eichhorn und sein Team so für Wundertaten vollbringen. Wir drei Mädels haben tapfer durchgehalten, die Männer haben alle nach 10 Minuten schon nicht mehr hingeguckt. Dreißig Minuten erspar ich euch, aber hier das ganze in drei Minuten. Ähnliche Technik, aber die verwenden Interferenzschrauben zum befestigen des Kreuzbandes, bei mir sind es kleine Titan-Plättchen/-Röhrchen. Viel Spaß. Nichts für zartbesaitete Mägen.

Die Nacht konnte ich zwar immer noch nicht durchschlafen, aber zumindest bin ich nur einmal aufgewacht heute. Und ich kann schon einigermaßen mit Krücken gehen! Was total toll ist, denn jetzt krieg ich das Essen nicht mehr aufs Zimmer, sondern darf unten im Restaurant mit allen anderen speisen. Und da am Donnerstag mit mir ungefähr 19 andere noch operiert worden sind, findet sich da immer ein lustiges Ründchen aus Kreuzband-/Miniskus-Geschädigten, von denen dann jeder mit der 0-Grad-Schiene, Krücken, Thrombosestrümpfen und einem Schemel für das Bein um den Tisch sitzt. Heute beim Frühstück waren es vier Fußballer und ich. Es ist zwar immer noch alles sehr mühsam, aber zumindest ein klein bisschen mobil sein ist schon eine Wohltat. Trotzdem grausts mir vor morgen, wenn sie mich hier rausschmeißen, ist halt schon angenehm wenn sich so um einen gekümmert wird und man höchstens die 30 Meter zur Physio oder mal die 100 Meter zum Restaurant laufen muss : (

Nachtrag, 14:30 Uhr: Ok, der Nachteil am mobil sein und selber rumlaufen ist jetzt, dass das Knie, das eigentlich nur moderat geschwollen war, jetzt aussieht wie ein dicker Klumpen, weil durch das rumlaufen wohl das ganze Blut ins Gelenk läuft. Aber jetzt nach dem Mittagessen bleib ich erstmal wieder brav liegen, kühle, und mache einen Salbenverband. Und hoffe dass die Schwellung wieder nachlässt…. Hier der Vergleich normales-operiertes Knie:

Wieder eine laaange schmerzhafte Nacht hinter mir. Immerhin durfte ich heute duschen, das war toll, wenn auch anstrengender als ein Besuch im Fitnessstudio. Ich war sogar einmal schon unten am Pool und bin einmal rum, aber für den Weg der normalerweise 2 Minuten dauert habe ich fast eine halbe Stunde gebraucht. Alles sehr sehr anstrengend. Im Prinzip kann ich mir nicht mal selber die Unterhose wechseln, Schuhe binden oder Socken anziehen, weil ich den Semitendinosus-Muskel, aus dem die Sehne entnommen wurde (die jetzt ja mein neues Kreuzband ist), nicht so weit strecken darf, also den hinteren Oberschenkelmuskel. Ich werde langsam pessimistisch, den Alltag für die nächsten zwei Wochen alleine bewältigen zu können, ich werd ja allein schon eine Stunde die fünf Stockwerke hochbrauchen.

Hab beim Pflasterwechseln auch zum ersten Mal die Nähte gesehen. Seid froh dass ich den Fotoapparat nicht zur Hand hatte, das sieht echt unglaublich widerlich aus. So fies hätt ich mir das ganze nicht vorgestellt…. ich bin doch etwas geschockt. Außerdem Wahnsinn, wie schnell die Muskulatur abbaut, ich hab jetzt schon das Gefühl mein rechter Unterschenkel ist schon viel viel dünner als der linke…