Ich bin frustriert. Dreieinhalb Monate nach der OP und genau fünf nach dem Kreuzbandriss ist das rechte Knie immer noch ziemlich hinüber, und es zieht das ehemals gesunde Knie gleich mit runter, das schmerzt inzwischen fleißig mit. Die Schmerzen variieren in Schüben von etwa zwei Wochen, aber insgesamt wird es nicht wirklich besser. Treppensteigen ist eine Qual, stehen auch, und sitzen ebenso. Und nicht nur das sitzen an sich ist unangenehm, nein, will ich erst danach das Knie wieder bewegen, dauert es eine ganze Weile bis das Bein wieder eingelaufen ist und sich einigermaßen vernünftig benutzen lässt. Unter der Kniescheibe knackst und knarzt es als ob der Meniskus mit der Kniescheibe einen draufmachen würde, und langsam dreh ich echt durch. Als bekennender Googlechonder/Symptomgoogler habe ich mir jetzt neuerdings den Floh ins Ohr gesetzt, dass möglicherweise der Knorpel kaputt ist und eine Arthrose aufzieht. Zweitgradig war der Knorpel ja schon zum Zeitpunkt der OP geschädigt.

Und nun frage ich mich ernsthaft, wieso ich nicht jeden Tag meines vormals kniebeschwerdefreien Lebens dazu genutzt habe, irgendwas tolles mit meinen Knien zu machen. Als es noch ging. Fußballspielen, Hockey in allen Variationen, Joggen, Surfen, Mountainbiken, Snowboarden, Snowbiken und extremere Sachen…  ich meine, all das habe ich mehr oder weniger oft gemacht, aber wieso habe ich das nicht ausgenutzt, als ich meine Beine noch wie von der Natur vorgesehen verwenden konnte? Wieso bin ich nicht jeden Tag einfach mal gerannt, mal drei Stockwerke hochgejoggt, klettern gewesen, Skateboardfahren, Wellenreiten, was auch immer, Cross-Einradfahren, total egal, whatever.

Ist das nur ein ganz normaler Kreuzbandkoller? Ich weiß es nicht. Mittwoch ist zweiter Nachuntersuchungstermin in Straubing beim Kreuzbandgott, da werde ich vielleicht mehr erfahren wie es um das Knie bestellt ist. Hofft mit mir.

Gute zehn Wochen nach der Kreuzband-OP muss ich doch mal wieder ein kleines Update bezüglich meines Knies geben. Nach drei von vier Wochen Reha gab es letzte Woche doch einen ersten Schub nach vorne, in Richtung Besserung – zwischen vor der Reha und jetzt liegen Welten, dank meines geliebten und leicht sadistisch veranlagten Physiotherapeuten und dem Rest des Rehazentrums. Treppensteigen geht langsam einigermaßen, Ergometer fahren wird auch immer besser, und mit entsprechender Vorbereitung ist die Beweglichkeit auch schon ziemlich gut, fast so gut wie das andere Knie. Nur schmerzhafter. Vom Zustand ‘schmerzfrei’ bin ich dann doch noch recht weit weg. Dazu kommt, dass inzwischen das gesunde (?) Knie fleißig mitschmerzt, aber ich hoffe nur vorübergehend, aufgrund der Mehrbelastung wegen des kaputten Knies.

Abgesehen davon sieht das kaputte Knie jetzt nur leider aus, als hätte Jackson Pollock Action Painting mit einem Skalpell drauf betrieben. Gar nicht so sehr allein wegen der vier neuen Narben von der Kreuzband-OP, eher im Zusammenspiel mit den ganzen anderen Narben am und um dem rechten Knie, während das linke eine geradezu jungfräuliche Narbenfreiheit aufweist. Aber ich will die Wade vom kaputten Knie ja eh mal tätowieren lassen (wenn ich mal das Geld haben sollte…), das wird dann von den Narben ablenken.

Ansonsten trainiere ich fleißig, um Muskulatur wiederaufzubauen, und um bald wieder spaßsportfähig zu sein. No surrender!

Also manchmal… Da schau ich mir gerade die Fotos von meinem Knie an, die ich nach der OP hochgeladen hab. Und merke, dass ich mir schon seit Wochen die Elektroden von meinem Elektro-Muskel-Stimuliergerät falschrum auf den Oberschenkel klebe.

Und ich hab mir schon gedacht, meine Güte, der Muskel hat aber abgebaut, der bewegt sich ja gar nicht mehr, und hab immer volle Möhre den Strom aufgedreht, schon neue Batterien reingekauft, dreißigmal die Klebefolie gewechselt – und dabei waren einfach die Elektroden falschrum. Mit dem Stecker/Kabel in Richtung Körper, der gehört aber in Richtung Fuß. Da ich das zwei- bis dreimal am Tag mache, frage ich mich jetzt ernsthaft, wann der Punkt war, wo ich die Dinger umgedreht habe und es nicht mal gemerkt habe, dass ich sie vorher andersum draufgeklebt habe. Wie konnte mir das denn nicht auffallen?

Ich bin echt manchmal so eine unfassbar schusselige Pfeife.

Nach einem Krückenupdate heute noch ein Knieupdate. Nach mehr als 4 Wochen ist es immer noch deutlich geschwollen, die Streckung ist ganz gut, die Beugung nicht. Da geht nur an guten Tagen mal mehr als 90 Grad, und dann auch nicht viel mehr.  Die Muskeln am kaputten Bein sind praktisch nicht mehr vorhanden. So siehts aus:

Trotzdem werde ich nicht aufgeben. In 8 Monaten wird wieder Unihockey gespielt! Basta. Vorher irgendwann schonmal bisschen mit dem Schläger trainieren, das wird ja gehen, nur spielen noch nicht. Aber vorher muss ich jetzt erst mal ohne Krücken laufen können. Ich wollte eigentlich noch so richtig grimmig gucken auf dem Bild, aber wie bereits einmal erwähnt ist mein Selbstauslöser zu schnell als dass ich noch eine ordentliche Grimasse ziehen konnte.

Heute mal wieder ein Update zum Kreuzbanddrama (lustiges Wort – wieviele Wörter gibt es mit zwei D’s direkt hintereinander?). Gerade mal nach zwei Wochen bin ich nach circa vier Tagen Vollfrust in der Phase angekommen, wo sich Frust langsam in Wut verwandelt. Weil man mit Krücken nicht mal eine verdammte Tasse Tee oder ein Glas Wasser tragen kann. Weil mir die Hände sauwehtun vom damit rumlaufen. Und vor allem, weil alles so verdammt lange dauert. Ein Gang zum Arzt mit duschen davor kostet mich den halben Tag. Und dann habe ich noch nichtmal gefrühstückt, Muskeln stimuliert, Narben massiert, Knie gekühlt, neues Eis gemacht, krankengymnastische Übungen gemacht, einen Salbenverband angelegt oder irgendwas fürs Knie getan. Kochen und abspülen kostet nicht minder Zeit. Vom putzen, aufräumen, Wäsche waschen oder ähnliches ganz zu schweigen. Argh.

Dann ist der Tag rum, ohne dass ich irgendwas wirklich geschafft hätte. An der Hausarbeit für die Uni geschrieben zum Beispiel. Kein Ahnung wie das funktionieren soll, wenn ich auch noch zwei Wochen auf Reha geschickt werde. Und wie ich überhaupt zur Uni kommen soll wenn die Ferien um sind. Vorwärts mit dem Knie gehts auch nicht, es ist wieder mehr angeschwollen, die Nächte werden wieder schlaflos vor Schmerzen, und die Beugung wird auch nicht mehr.

Zumindest werde ich langsam besser beim Thrombose-Spritzen in den Bauch jagen. Gestern musste ich die Spritze runterdrücken wie ein Ochse um sie mal leerzumachen, wer weiß wo ich das Zeug reingespritzt habe. Heute gings rein wie Butter, und ich komme mir langsam vor wie ein Junkie mit den ganzen leeren Spritzen die hier rumlagen, weil, ach ja, aufräumen ist ja nicht so einfach. Grrr.

Ich hoffe nur darauf, dass die Phase des sich in Zorn verwandelnden Frusts bald in Lethargie weiterentwickelt. Dann spar ich zumindest die Zeit der Verzweiflungsanfälle und kann dann ja vielleicht wenigstens die eine der zwei Hausarbeiten fertigschreiben…

Hm. Jetzt weiß ich grade irgendwie nichts mehr vernünftiges mit mir anzufangen. Alles dreht sich nur noch um das doofe Bein, was sich ja auch hier im Blog niederschlägt. Mit Krücken gehen ist soooo mühsam. Am Samstag endlich nicht mehr die 0-Grad-Lagerungsschiene, sondern eine freigestellte DonJoy-Schiene, die für 2 Monate mein ständiger Begleiter sein wird (und für 12 Monate zum Sport):

Ansonsten morgen endlich mal wieder Krankengymnastik und Freitag Lymphdrainage. Dann werde ich die Kreuzbandwoche erst mal beenden und sporadisch von meinen Fort-Schritten berichten. Ich… habs… so… satt…

So, hiermit beende ich die Kreuzband-Woche in meinem Blog. Keine Knie-Einträge mehr! Zumindest bis zum 4. September, da ist OP-Termin, da gibts ein neues Kreuzband. Gebastelt aus einer vierfach gefalteten Semitendinosus-Sehne, festgemacht mit Titan-Knöpfen. Dann Krücken, humpeln, Knieschiene, Krankengymnastik und der ganze Rattenschwanz. Wollen wir hoffen, dass ich den Alltag alleine in einer Wohnung im 5. Stock irgendwie gebacken kriege. Ohne Aufzug, versteht sich, alles andere wäre ja auch zu einfach. Ach ja, und ich habe einen tollen Arzt, der mich mit der Ärztewelt versöhnt hat. Jedenfalls vorerst.

Ich hab immer noch schlechte Laune wegen dem Knie. Kein Hockey, kein Sport. Und weil ich so schlecht drauf bin, boykottiere ich heute meinen eigenen Blog und schreibe nichts. So.

*dem Schicksal trotzig die Zunge rausstreck*

Da ich im Moment eh an nichts anderes denken kann als an das blöde Kreuzband, aber ich auch nicht viel Zeit habe gerade (weil ich gleich aufs Bardentreffen in Nürnberg fahre), habe ich einfach mal ein animiertes gif aus den Bildern vom MRT (Magnet-Resonanz- bzw. Kernspin-Tomographie) gemacht.

myspace graphic at Gickr

So sollte das eigentlich aussehen mit dem vorderen und hinteren Kreuzband:

Ich bin jetzt zwar kein Radiologe, aber ich sehe da doch einen deutlichen Unterschied, nämlich dass vom vorderen nicht mehr viel übrig ist. So far so bad, mal gucken was der endgültige Bericht vom Radiologen am Montag sagt.

Argh. Da komm ich nach der Kernspin zum Radiologen-Doc und der eröffnet mir ganz feinfühlig:

Also, ich muss mir die Bilder zwar nochmal in Ruhe anschauen… Aber so wie das auf den ersten Blick aussieht… ist von ihrem vorderen Kreuzband nicht viel mehr übrig als ein Stumpen und ein paar zerfiederte Fasern.

*EPIC GRUMMEL*