Ich gestehe zu meiner Schande, dass ich gerade zum ersten Mal Charlie and the Chocolate Factory gesehen habe, das Werk von Mastermind Tim Burton mit seinem Alter Ego vor der Kamera, Jonny Depp. Was für ein unglaublich abstruser Film, ich bin total geplättet von der Burtonschen surrealen Bildgewaltigkeit sowie von der Art des Films, den Zuschauer im Dunkeln tappen zu lassen, was gerade Ernst und was Ironie ist. Wundervoll. Ich musste mir außerdem beim Anblick des Schokoladenwasserfalls allen Ernstes eine Tafel Schokolade aufmachen, obwohl ich das normalerweise nie tue, weil ich Schokolade eigentlich nur dazu benutze, um sie zu schmelzen und Plätzchen oder Pralinen reinzutunken oder Schokoladenkuchen daraus zu machen. Ein bisschen wie Willy Wonka.

Und weils gerade so schön ist, hier noch der Trailer zur Erstverfilmung des Buchs von Roald Dahl, Willy Wonka & The Chocolate Factory von 1971:

Ich bekenne mich ja dazu, ein Kind der 80er zu sein. Aber wieso sind so viele Filme aus den 80ern so ganz besonders langweilig? Nicht aufgrund der Inhalte, sondern wie diese präsentiert wurden, und wie die Sehgewohnheiten waren. Die Schnitte sind oft so unglaublich zäh, dass man zwischen einem Cut und dem nächsten ein gepflegtes Nickerchen auf der Couch halten kann und nicht mal etwas Elementares verpasst. Und auf alle Details wird man mit der Nase gestoßen und bekommt gleichzeit noch eins mit dem Zaunpfahl übergezogen, damit man es auch ja kapiert. Es soll eine schöne Landschaft gezeigt werden, um Naturverbundenheit auszudrücken? Ok, aber lass uns nicht eine Einstellung lang die Berge zeigen, sondern zwölf, damit es auch wirklich jeder versteht. Mühsam, mühsam, mühsam ist das.

Aber na gut, es gab und gibt wohl zu jeder Zeit langweilige Filme…

Filme mit Ewan McGregor muss man ja schon allein wegen diesem Schnittchen schauen. Er ist zwar nicht das Oberhaserl Hugh Jackman, aber seien wir mal ehrlich, Ewan McGregor würden wir auch nicht gerade von der Bettkante stoßen, nicht wahr meine Damen?

Aber nun zu Michael Bays “Die Insel“. Selten vermurbselt ein Film so viele ethische und philosophische Fragestellungen auf einmal. Zum einen wird die Genforschung-Stammzellen-Organspende-Forever Young-Diskussion konsequent durchexerziert. So gibt es zwar auch in dieser dystopischen Zukunft Gesetze, die den Umgang mit Klonen vorschreiben/verbieten beziehungsweise das fiktive Szenario im Film verhindern sollten – dass Klone kein Bewusstsein haben dürfen oder ähnliche (willkürliche) Grenzziehungen. Aber es zeigt eben auch, dass in einem kapitalistischen System Gesetze auch nur solange praktischen Bestand haben, bis jemand genug Geld damit verdient, diese bewusst zu brechen (und alles bezahlt, um sich nicht erwischen zu lassen). Sobald das zu verdiendene Geld also das Risiko aufwiegt, erwischt zu werden, ist im Kapitalismus der Logik des Films nach alles machbar, was möglich ist, selbst wenn es nicht erlaubt ist. Neben der großen Frage “Wo fängt Leben an?” wird außerdem gleich noch die Frage “Was ist real?” mitreingepackt, da die Klone in einer Parallel-Realität gefangen gehalten werden – The Matrix meets The Truman Show sozusagen, zusammen mit zig anderen Versatzstücken wie zum Beispiel aus Blade Runner (“Sind unsere Erinnerungen, sind wir real? Verdienen es Androiden/Klone nicht auch zu leben?”).

Meiner Meinung nach die brisanteste Frage ist ja die, wann ein Klon nur eine Kopie bleibt und wann er zum Mensch wird, von dem er geklont wurde. Ist letzterer noch zweifelsfrei auszumachen, ist die Frage ja noch einigermaßen klar zu beantworten. Aber nehmen wir an, der Klon hat genau dieselben Erfahrungen und Erinnerungen (implantiert bekommen?) wie sein Ursprungsmensch, und dieser Ursprungsmensch würde in einem Unfall ums Leben kommen. Nun nimmt der Klon seinen Platz ein. Das ist dann schon irgendwie wieder legitim? Es müsste ja keiner wissen, dass das ‘Original’ tot ist, und auffallen würde es auch keinem. Und nun nehmen wir weiter an, der Ursprungsmensch wäre in dem Unfall gar nicht getötet worden, sondern nur irgendwo im Dschungel mit seinem Hobby-Flugzeug abgestürzt und für 10 Jahre verschwunden. Nun kommt er wieder zurück, und trifft da seine ‘Kopie’, die das Leben des ‘Originals’ eingenommen hat. Wer ist nun wer? Wer ist jetzt mehr Mensch? Und wer hat ein Recht auf sein Leben? Nicht mehr Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, sondern der Mensch im Zeitalter seinen technischen Reproduzierbarkeit?

Interessant auch die letzte große und hochphilosophische Frage, wieso gerade Puma (real) die Firma (fiktiv) sponsert, die tausende unschuldiger Klone inhaftiert und tötet. Und Puma die Klone mit sexy-sportlichen Markenklamotten ausstattet, alles nach der herrschenden Diktatur des Designs in Reinweiß.

Heute möchte ich mal zwei absolute Perlen des Kinos küren, die mir heute bei einem Gastvortrag unseres Instituts für Theater- und Medienwissenschaften der Uni Erlangen begegnet sind (“StimmKörper – Zur Synchronisation in Deutschland” von Gereon Blaseio).

Der erste Film bekommt den Preis für den besten Filmtitel: “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“. Der Titel ist so unsinnig und tiefgründig zugleich, dass man nicht weiß, ob man weinen oder lachen, sich vor Grauen schütteln oder vor dem Genie verbeugen soll, das diesem Titel innewohnt.

Ein Italo-Western übrigens, so zur Kontextualisierung des “noch warm”, und vor allem des “schon Sand drauf”.

Der zweite Film hat sich die Ehre der durchgeknalltesten und sinnlosesten Synchronisation aller Zeiten verdient. Wobei er auch bei der Kategorie “Kreativster Filmtitel” ein Top-Oscar-Anwärter wäre: “Schlitzohr und Schlitzauge – Der Dampfhammer von Send-Ling“.

Man beachte das hochgeistige Wortspiel mit Sendling, aber das versteht man erst wenn.. ach, seht selbst, das ist unbeschreiblich:

Tusch und Applaus!

Eine Zeit lang wurde man ja mit Werbung für den Film geradezu überschüttet, und damals wollte ich Keinohrhasen schon unbedingt sehen. Deshalb musste ich ihn mir jetzt doch noch angucken.

Alles in allem, ein ganz wunderbarer Wohlfühlfilm, der sich sowohl für einsame Fernsehabende, zum gucken mit der besten Freundin, mit dem Partner oder auch mit der ganzen Famile (aber ohne Kinder) hervorragend eignet. Man sich nur erst an den oft ins comichaft überzeichneten Humor sowie die ebenso skurril überzeichneten Bilder gewöhnen. Das klappt bei den Bildern bereits mit der ersten Szene, in der ein herrlich durchgeknallter Jürgen Vogel als er selbst auftritt, beim Humor dauert das etwas länger. Aber spätestens wenn Til Schweiger in Kinderhor(s)t gesagt wird, er solle aufs Schneewitchen pinkeln und Rick Cavanian als Bildzeitungschef den ersten Ausraster hat, und allerspätestens wenn der Keinohrhase durch das Fischauge von Annas Wohnungstür guckt, hat man beschlossen, diesen Film eben zu lieben wie er ist. Was sowieso die Kernaussage des Films ist: Menschen, Hasen und Kinder so zu lieben, wie sie sind, mit ihren kleinen und großen Fehlern.

Was außerdem am Film auffällt, ist, dass Til Schweiger unglaublich schnucklige Kids im echten Leben hat, die auch so ziemlich die charmantesten Darsteller im Film sind (neben den anderen Kids, die sind alle wundervoll).

Was wiederum bei der DVD auffällt, ist die nicht enden wollende Selbstbeweihräucherung vom Herrn Schweiger, die einem in allen Bonusfeatures entgegenschreit. Klar, wer Regie, Drehbuch, Produzent und Hauptdarsteller macht, hat das in einer gewissen Weise auch verdient, aber ein etwas subtileres Eigenlob wäre hier angebracht gewesen.

So oder so, die Bilder sind toll und von einer grandiosen Farbigkeit, die Geschichte total süß mit der richtigen Mischung an Sex und Drama, der Film versprüht positiv den Charme eines nicht allzugroßen Budgets und Nora Tschirner muss man als hässliches Entlein einfach lieben. Und den Keinohrhasen sowieso. Deshalb zum Abschluss noch eine meiner Lieblingsszenen:

Letzte Woche war ich ja in der Verfilmung von Otfried Preußlers Krabat, deshalb tue ich doch hier endlich mal meine Impressionen kund. Der Film von Marco Kreuzpaintner fängt die dunkle, magische Atmosphäre des Romans sehr gut ein und ist dabei visuell eindrucksvoll – natürlich sieht man schon den Unterschied zwischen rumänischen Berglandschaften und solch hollywood-neuseeländischen wie aus Lord of the Rings, aber diese urtümlichen Aufnahmen gereichen dem FIlm nur zum Vorteil. Die Stimmung in der Mühle ist so, wie man sie sich in seinen gruseligsten Jugendträumen ausgemalt hat, und auch die digitalen Effekte sind sehr schön in ihrer düsteren Einfachheit.

Was mir gar nicht gefallen hat, war ein Großteil der schauspielerischen Darbietung und auch die Anlegung der Charaktere bereits im Drehbuch. Zum einen wirken nunmal neben einem schauspielerisch starken Daniel Brühl als Tonda und Christian Redl als der Meister alle anderen Darsteller wie eine einzige, charakterlose, fade Suppe. So gleichgestampft, dass ich die erste halbe Stunde nicht mal Robert Stadlober und David Kross auseinanderhalten konnte. Gerade Krabat kommt irgendwie nicht so ganz glaubhaft rüber, was sehr schade ist. Es wird ja ohnehin nicht viel geredet in dem FIlm, und gerade dann haben die wenigen Worte umso mehr Bedeutung. Und wenn diese Worte dann aufgesetzt wirken, ist es umso schlimmer. Abgesehen von den Schauspielern sind die Figuren aber auch ausnahmslos schon im Drehbuch so platt und eindimensional angelegt, dass sich ja sogar der erfahrenste Schauspieler damit rumplagen muss. Alle Figuren sind weniger Individuen als schwarz oder weiß gezeichnete Typen. Da gibt es überhaupt nicht diese interessanten Zwielichtigkeiten der Figuren im Roman – alle sind nur 100% böse oder 100% gut. Selbst wenn ein Charakter eine Entwicklung durchmacht, gibt es keine Abstufungen dazwischen, es springt dann von weiß auf schwarz, von gut auf böse – ohne Grautöne. Diesem Film fehlt es an interessanten Zwischentönen, die ihn über einen Jugendfilm hinausheben würden.

Dazu kommt leider, dass auch technisch irgendwas nicht ganz sauber ist (vielleicht lag das aber auch an dem Kino in dem ich den Film gesehen habe, aber  das ist in einem Multiplex-Großkino doch sehr unwahrscheinlich). Die wirklich eindrucksvolle, schnell geschnittene Kampfszene relativ am Anfang flimmert leider so über die Leinwand, dass einem die Augen wehtun davon. So, als würde man einen Stream im Internet schauen, aber nur jeden fünften Frame überliefert bekommen weil die Bandbreite überlastet ist. Grauenhaft! Und dabei sah der Kampf wirklich toll aus, man hat ihn nur nicht wirklich gesehen leider. Auch am Sound gibt es Mängel. Wenn die Figuren etwas sagen, wirkt das nicht so, als würden sie es wirklich sagen – es wirkt eher so, als wäre der FIlm im Original auf Ungarisch gedreht und dann schlecht auf deutsch synchronisiert worden. Überspitzt formuliert, das ist wohl wahr, aber das ist so das Gefühl, das einem bleibt.

Trotzdem zolle ich dem Film meine äußerste Hochachtung, so ein großes Projekt als deutsche Produktion auf die Beine zu stellen und zu Ende zu führen. Es ist immer noch eine insgesamt sehr gelungene Literaturverfilmung, die auf der visuellen Ebene die Essenz des Romans einfangen kann.  Einige Punkte sind zwar stark verbesserungswürdig, aber möge dem Film Erfolg widerfahren – ein erster Schritt hin zu mehr solchen Projekten, die den sonst üblichen Brei aus Hollywood in den Kinos etwas aufmischen können.

Endlich, meine 25-seitige Hauptseminararbeit zum Seminar Digitalisierung des Films ist fertig. Titel: Die Game-Engine als Bildermaschine: Machinimas und die Digitalisierung des Filmemachens.

Und 30 Seiten (mit Bibliographie und anderem Schnickschnack) sind doch ein ganz schöner Packen Papier, wie ich festgestellt habe.

Hier noch der Beweis, bevor ich todmüde in mein Bett fallen werden:

Tadaaa!

Warum ist eigentlich in letzter Zeit niemand auf die Idee gekommen, Krabat von Otfried Preußler zu verfilmen? Marco Kreuzpaintner (“Sommersturm”) hats nun getan, und das mit Daniel Brühl und Robert Stadlober, unter anderem. Ok, es hat zwar in den 70ern eine Verfilmung in der DDR gegeben, aber das fällt ja nicht unter “in letzter Zeit”.

Der Stoff ist gut, die Trailer sehen vielversprechend aus – ich bin also gespannt auf diesen deutschen Film, der von der Filmbewertungsstelle das Prädikat “Besonders wertvoll” verliehen bekommen hat. Und der immerhin 8 Millionen Euro Budget gekostet hat. Ab dem 9. Oktober in den deutschen Kinos – und in meinem Heimatkino in Erlangen gibt es sogar eine Vorpremiere mit Regisseur und ein paar Schauspielern (leider nicht Daniel Brühl, denkt sich da manche Erlanger Studentin).

Eigentlich wollte ich – zumindest den Roman – Krabat sabotieren, seit ich in der siebten (ungefähr) Klasse die Stadtausscheidung im Lesewettbewerb wegen Krabat verloren habe. Weil ich zuviel geschauspielert hätte beim Vorlesen, sagte die Jury. Die haben einfach nicht das dramatische Potential von Krabat erkannt, dem man sich schlicht und ergreifend nicht entziehen kann. Ganz im Gegensatz zu mir. Und Marco Kreuzpainter.

Es gibt Filme, die muss man nur einmal schauen, um sie gesehen zu haben. Es gibt sehr viel weniger Filme, die man mehrmals gucken kann. Und es gibt diesen einen Film, den man einfach nie oft genug gesehen haben kann:

Selbst wenn man schon jede Zeile mitsprechen kann, verliert die wohl beste Parodie der Welt nichts von ihrer Komik, ganz im Gegenteil. Das lustige und geniale an dieser Parodie ist ja vor allem auch, dass sie sogar funktioniert, ohne das parodierte Original zu kennen. Es ist schon seltsam, aber ganz viele Kinder der 80er, wie ich, haben Spaceballs kennen und lieben gelernt, ohne überhaupt einen Star Wars-Film vorher gesehen zu haben.

Ebenfalls äußerst bemerkenswert: Spaceballs ist wirklich eine der wenigen deutschen Filmsynchronisationen, die auch im Vergleich mit dem englischen Original bestehen, ja, sogar besser sind als das Original. Was gerade bei der Übersetzung von Komik und Wortspielen eine wirkliche Meisterleistung ist. Möter, Lord Helmchen und der Saft sind sogar passender als mog, dark helmet und schwartz. Deshalb noch eine meiner Lieblingsszenen:

“Was ist denn das für ne eigenartige Szene? Wann ist die denn in dem Film überhaupt zu sehen?” – “Jetzt gerade. Das sehen sie jetzt gerade, Sir. Alles was jetzt gerade abläuft, passiert jetzt.” – “Ja und die Vergangenheit?” – “Die ist vorbei.” – “Seit wann?” – “Seit jetzt. Wir sind jetzt im Jetzt.” – “Zurück in die Vergangenheit.” – “Und wann?” – “Na jetzt.” – “Jetzt?” – “Jetzt.” – “Das geht nicht.” – “Wieso nicht?” – “Es ist vorbei.” – “Seit wann?” – “Seit jetzt.” – “Wann wird das damals eigentlich jetzt?” – “Schon bald.”

Also, ich fasse mich kurz, dieser Film ist genial, und man kann ihn einfach nicht oft genug sehen:

“Das Raumschiff ist zu groß. Würd ich langsam gehn, wär der Film vorbei.”

Da ich, wie bereits angekündigt, niemandem etwas aufzwängen will, was er nicht wissen möchte, habe ich jetzt wirklich ein Spoiler-Plugin runtergeladen. Ich will frei Schnauze und ohne Rücksicht auf verräterische Details meinen Eindruck vom neuen Batman-Film “The Dark Knight” kundtun, also wer sich gespoilert fühlen würde, einfach nicht auf “Zeigs mir” drücken.

Zeigs mir!