Achtung. Wer nichts über den Film wissen möchte, sollte nicht den Spoiler öffnen. Rein inhaltlich gibt es zwar ohnehin nicht viel zu spoilern (der Großteil wird ja doch schon die Bücher gelesen haben), aber wer sich gern zuerst seine eigene Meinung bilden möchte, dem will ich meine auch nicht aufzwingen.
Zeigs mir!
Jede Literaturverfilmung eines Buches diesen Ausmaßes ist wohl schon vornherein zum scheitern verurteilt. Ein immer schon sinkendes Schiff, allein durch die Unterschiedlichkeit der Medien Buch und Film. Versucht man es den Leuten recht zu machen, die das Buch kennen, und packt jede wichtige Szene in den Film, verkommt der Film zu einer Aneinanderreihung von Schlüsselszenen. Was wiederum keinen sehr guten Film ergibt und zudem die Leute, die das Buch nicht gelesen haben, komplett im Dunkeln lässt.
Jetzt kann man aber durchaus unterscheiden, wie das Schiff sinkt. Ist es ein pompöser, mitreißender Titanic-Untergang, oder macht die Verfilmung einfach ein unspektakuläres, zähes ‘blubb’? Im Falle von Harry Potter and the Half-Blood Prince macht es jedenfalls leider in bisschen blubb. Klar, egal wie man ausgewählt hätte was es in den Film schafft, alle wichtigen Handlungsstränge hätte man nie untergebracht. Aber man hätte meiner Meinung nach durchaus eine bessere Auswahl treffen können. Etwas weniger Teenager-Liebe-Geblubber zum Beispiel, und mehr Fokus auf die Haupthandlung. Auch das nicht vorhandene Finale am Ende enttäuscht, während im Buch da ja endlich der große Kampf zwischen Hogwartianern und Death Eatern ausbricht. Nicht einmal Dumbledores Tod konnte mir eine Träne entlocken, und das, obwohl ich schon bei Filmen wie Australia heulen kann wie ein Schlosshund – und was bitte hätte sich emotionaler inszenieren lassen können als das Ende eines der Charaktere aus dem Buch? Stattdessen lässt der Film einen mit einem leeren und etwas schalen Gefühl der absoluten Nicht-Emotionalität zurück.
Und das, obwohl ich wirklich mit Körper und Geist vollkommen in der Filmwelt aufgehe, was jeder bestätigen kann, der schon einmal bei einer Gruselszene mit mir im Kino war (die Karo-Kino-Experience, besser als 3D!).
Also. Fazit: Das wäre besser gegangen. Man kann nur hoffen, dass durch das Aufteilen von Band 7 in zwei Filme das Schiff das nächste Mal wieder etwas majestätischer und würdevoller untergeht.
This entry was posted on Thursday, July 16th, 2009 at 0:11 and is filed under Filmriss. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
You can leave a response, or trackback from your own site.
July 16th, 2009 at 0:18
“Karo-Kino-Experience”? Kann man sich dafür irgendwo anmelden?
July 16th, 2009 at 0:20
Musst mich nur mit ins Kino nehmen ^^ Klappt am besten bei Filmen mit vielen Schockmomenten.
July 16th, 2009 at 8:22
Karo, deine Filmkritik spricht mir aus der Seele
Gestern wollte ich “Harry Potter und der Halbblutprinz” sehen und bin aber im falschen Film gelandet “Ron Weasley und die Liebe”. Hat der Regisseur eigentlich gar nicht verstanden, worum es geht?
Ich bin nicht wütend, nicht traurig, ich fühle mich betrogen und leer. Blubb.
July 19th, 2009 at 10:45
David Yates ist einfach nicht der richtige Mann für das ganze Projekt, insofern, nein, der Regisseur hat nicht verstanden, worum es geht, und ich kann nicht verstehen, warum ihn keiner davon abgehalten hat, den Schluss des Buches einfach wegzulassen. Die moralische Problemlage, die er Film neu schafft und die Harry dann zum handeln motiviert, nämlich, dass er in DER großen Situation eben NICHT gehandelt hat und jetzt sein schlechtes Gewissen beruhigen muss, nichts gegen den Mord an Dumbledore getan zu haben, passt absolut nicht zur Gesamterzählung der Heptalogie. Und Yates macht jetzt auch noch die letzten beiden Filme, oh mein Gott!!! Könnten sich nicht Alfonso Cuarón oder Mike Newell nochmal erbarmen? Bitte!!! Das würde meine Gesamtlebensqualität in den Jahren 2010 und 11 enorm erhöhen!