Mann o mann. Galileo ist so ein abgrundtief schlechtes Schundmagazin, das ist echt nicht mehr feierlich – die Beiträge sind ja sonst schon keine Glanzleistungen, aber die Ausgabe heute, das ging wirklich gar nicht mehr. Wer einmal bei Galileo beziehungsweise für die Produktionsfirma gearbeitet hat, kann eine seriöse journalistische Karriere für die Zukunft doch echt an den Nagel hängen. Ohne Witz, bevor ich so dummes Zeug produzieren muss, wie die jeden Tag in die ohnehin verwahrloste Fernsehlandschaft blasen, da werde ich vorher Straßenmusikant. Und ich spiele noch lange nicht gut genug Gitarre, als dass ich davon leben könnte.

Zuerst dieser Beitrag mit der vom Prinzip her gar ja nicht dummen Idee,  Internetvideos darauf zu überprüfen, ob sie echt oder gefakt sind. Aber wie das überprüft wird – dümmer gehts nicht. Heute waren es die Unihockey-Trickvideos, über die ich schonmal geschrieben habe (ist das schon lange her, fällt mir gerade auf). Dann fällt diesen Honks erstmal nichts besseres ein, als Hallenhockeyspieler zu fragen, obwohl man doch auf den ersten Blick sieht, dass das in den Videos ganz andere Schläger und ein ganz anderer Ball ist. Man könnte ja auch mal nicht ganz so dumm tun und ein wenig recherchieren vorher, oder hey, vielleicht mal die Beschreibung oder den Titel des YouTube-Videos lesen?? Oder ist das schon zu viel journalistisches Grundwissen, was beim lesen verlangt wird? Nein, da muss man sich minutenlang Hallenhockeyspieler anschauen, die mit ihren mickrigen Schlägern gezwungen werde, die Tricks zu probieren. Was natürlich nicht funktioniert – wie jeder Zuschauer, der geistig anwesend ist, wohl schon beim Zeigen der Videos gesehen hat, dass das keine Hallenhockeyschläger und auch keine Eishockeyschläger sind. Oh, vielleicht gibt es noch andere Arten von Hockey, hm? Aber auf die Idee ist man bei Galileo nicht gekommen, wa? Arrrrggh.

Und direkt hinterher, der obligatorische Beitrag zum Amoklauf in Wenningen. Der aber gar kein Beitrag zum Amoklauf in Wenningen war, sondern ein Beitrag zum Amoklauf in Erfurt 2002, der kurzerhand, um schnell auf den Amokquotenboomzug mitaufzuspringen, aus dem Archiv gegraben wurde. Vorne und hinten nur mit einem neuen Offtext besprochen – so macht man also bei Galileo alte Beiträge aktuell, aha (schließlich war die Games Convention in dem Beitrag ja schon im August 2008). Abgesehen davon wird in diesem Beitrag alles Mögliche bunt durcheinandergewürfelt, was allein für sich genommen schon ein heikles Thema wäre. Aber nein, Galileo schafft es, gleich mehrere brisante Themen, die an und für sich gar nichts miteinander zu tun haben, in einem einzigen Beitrag so zu verwursten, als hätten sie etwas miteinander zu tun. Zuerst wird so getan, als ginge es um die Gründe für den Amoklauf in Erfurt, dann geht es plötzlich um ‘Killer’-spiele als den Grund für den Amoklauf. Ich will jetzt nicht die ganze Diskussion neu runterbrechen, aber halloooo, inzwischen ist es doch auch bei den meisten Medien- und Politikmachern angekommen, dass das totaler Dünnpfiff ist, einen Amoklauf auf Killerspiele zu schieben (das sollte doch auch irgendwann mal in den Köpfen der CSU ankommen, würde man meinen). Wobei ja sowieso noch nicht mal geklärt ist, was ein “Killerspiel” überhaupt sein soll – da wird dann munter mit so insiderhaft klingenden Begriffen wie Egoshooter um sich geworfen, was den ganzen schleimigen Brei von Beitrag auch nicht besser macht. Ach ja, und interessanterweise darf Galileo also aus ‘journalistischen’ Gründen noch weit vor 23 Uhr Szenen im Fernsehen aus Spielen zeigen, die keine Jugendfreigabe haben? Und noch schlimmer, als Beispiel für ein ‘Killer’-spiel dient natürlich ein Spiel, das in Deutschland schon indiziert, also verboten ist. Bravo! Clever argumentiert. Was soll das, wir machen den Leuten Angst vor ‘Killer’-spielen, damit sie bei den obligatorischen Verbotsforderungen nach jedem Amoklauf gleich laut “Dafür” schreien, zeigen als Beispiel für ein ‘Killer’-spiel aber ein Spiel, das in Deutschland schon lange verboten ist? Weil noch nie erschienen in Deutschland, weil es ja die USK gibt? Die USK, die das, was wirklich Killerspiele sind, ohnehin schon immer verbietet? Gnaaargh.

Ach ja, und von diesem Thema wechselt der Beitrag dann plötzlich zum Thema Computerspielsucht, um dann den Rest des Beitrags auch bei diesem Thema zu bleiben. O-Ton: “Es ist zwar nicht bestätigt, dass Robert Steinhäuser computerspielsüchtig war…” – aber lass uns trotzdem mal zu diesem Thema wechseln, weil es auch so schön Quote bringt? Obwohl Killerspiele außer dem Metier überhaupt nichts mit Computerspielsucht zu tun haben? Ein Beitrag über Computerspielsucht, das wäre ja ok. Aber ein Beitrag, in dem alles vermurbselt und wild herumgeworfen wird, was nur im entferntesten mit Computer- und Videospielen zu tun hat und dabei möglichst publikumswirksam ist – Pfui.

Bah, so Schund macht mich echt wütend. Leute, die gar nicht wissen, dass da so ein dummes Zeug gesendet wird, weil sie sich damit nicht auskennen, glauben diesen Mist am Ende noch. Galileo ist echt die Bild-Zeitung des Fernsehens. Oder eher schlimmer.

6 Responses to “Blalileo – Was für ein Schund”

  1. Dr. Wollo says:

    Ja fuck it, Killerspiele. Alles was da erreicht wird ist, dass ich wieder davon abkommen werde mir meine Spiele ordentlich im Laden zu kaufen und sie mir wieder aus dem Netz beziehe. Zuerst die Alkopops und jetzt die Spiele. Kinder / Politik, was ist da los?

  2. Nemmerle says:

    hab es auch gesehn und war danach auch relativ erbost wie maßlos man da derbst pauschalisierend argumentiert. auch die verschärfung des waffengesetzes bringt wiedermal nix, die eltern des jungen haben sich an das existierende ja nicht mal gehalten…
    als jahrelanger sportschütze und online gamer bin ich in einigen augen wohl nen absolutes sicherheitsrisiko, zumal ich auch noch chemiker bin^^

  3. crazykaro says:

    Ui ui ui, also wenn du jetzt noch eine Counter-Strike Version irgendwo rumstehen hast, dann ist es sicher nur noch eine Frage der Zeit! *Ironie* ;)

  4. Nemmerle says:

    ich glaub auf meinem zock-rechner in nürnberg hab ich noch steam drauf, ich meide meine wohnung die nächsten tage =(
    aber am donnerstag war nen prof von mir bei galileo. der kleine schäbbelnde chemiker is bei uns analytiker und war meines wissens früher beim bka (kann also einige geschichten erzählen!). hat nen paar sehr billige versuche gemacht. komisch, dass er vor der kamera doch reden konnte, in nem vollen hörsaal stammelt der nur immer oder redet gegen die tafel…

  5. crazykaro says:

    na wer weiß wie das zusammengeschnitten war ; ) ist ja sonst eher das Gegenteil, ich kriege vor ner Kamera auch keinen zusammenhängenden Satz raus ^^

  6. Yaab says:

    schöner beitrag…ich denke genau wie du!

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