Die unheimlich(lecker)en Kekse der dritten Art

Diesen Keksen muss man eine Chance geben. Diese Kekse muss man sich entfalten lassen. Diese Kekse verlangen liebevolle Lagerung. Und auch wenn sie anfangs eher an ein Stück Schuhsohle erinnern, geschmacklich wie ästhetisch, wird man am Ende mit – vorher unvorstellbar – leckeren Schoko-Weihnachtsplätzchen der etwas anderen Art belohnt. Die Rede ist von den Unaussprechlichen Basler Brunsli (Wer hats erfunden?).

Frisch gebacken sind diese Kekse nämlich ziemlich hart und zäh. Da kann man dann eigentlich nur die essen, die einigermaßen dick geraten sind. Aber dann heißt es Geduld an den Tag legen. Einfach all die kleinen Möchtegernschuhsohlen in eine Keksdose packen, ein bis zwei Apfelstücke mitreinlegen, und warten (die Apfelstücke aber schon rausnehmen bevor sie schimmeln, nech). Und schon transformieren sie sich langsam aber sicher in zarte, weiche, saftige, unglaublich schokoladige, locker-leckere Plätzchen mit einem Hauch fruchtigem Kirscharoma. Die deshalb so besonders sind, weil sie anders sind als normale Kekse mit Schokolade. Normale Plätzchen sind immer so vollmilch-pappsüß. Das ist zwar auch lecker, aber irgendwann mitten in der Keks-Hochsaison kann man keine mehr sehen. Aber die Brunslis, die sind nicht vollmilch-süß, sondern eher zartbitter-dunkel-süß. Vom Verhältnis her in etwa wie sich Instant-Kakaopulver zu echtem Kakaopulver verhält. Ich kann nur sagen, gebt den Basler Brunsli eine Chance, es lohnt sich!

Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich mal meinen Senf zu Amerikanern und Plätzchen abgeben (ich weiß, ich verallgemeinere hier, man möge es mir verzeihen, ich bin mir bewusst, dass natürlich nicht alle Amerikaner so sind). Es ist wirklich so typisch, bei amerikanischen Rezepten würde dabeistehen, “Plätzchen im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb einer Woche verzehren”. Damit sich jaaaa kein Bakterium auf dem Schokokeks befindet. Was die alles verpassen! Gerade Plätzchen schmecken doch gar nicht bevor sie nicht mindestens zwei Wochen in einer Keksdose gelagert wurden, und zwar nicht im Kühlschrank! Oder, oh welch lebensgefährlicher Frevel, Marmelade selber machen und in eigene Gläser füllen! Das ist ein Zitat aus einem Kommentar zu einem Post von delicious:days:

(…) any university extension educator or USDA nutrition expert will tell you that this is a very risky thing to do!! The temperature reached at the time the seal is in place is not high enough to guarantee that all bacteria have been killed. Adorable gift, yes, but do you really want to risk giving your friends and family a food-borne illness? (…) Please be safe!

Seltsam, Generationen von Großmüttern haben Marmelade selber gemacht und in eigene Gläser gefüllt, und Generationen von Müttern Kekse wochen- oder monatelang in Keksdosen gelagert. Und haben dabei sicher nicht das Leben ihrer Familie und Freunde aufs Spiel gesetzt, sondern für Gaumenfreuden gesorgt. Und selbst wenn mal eins von zehn Marmeladengläsern nicht ganz sauber war, dann schimmelts halt, dann wirft mans eben einfach weg. Man sollte dann nur so schlau sein und es nicht essen, selbiges gilt, wenn zu Ostern ein paar vergessene Kekse von Weihnachten schon Grünspan angesetzt haben. “Nutrition experts” haben für mich in Sachen Plätzchen und Marmelade nichts verloren, da sollte man eher auf den gesunden Menschenverstand hören, wie es immer so schön heißt. Manchmal könnte man echt meinen, der wäre vielen Amerikanern abhanden gekommen, aber naja, so ist das nunmal mit unterschiedlichen Kulturen, wir sind eben wie wir sind. Andere Länder, andere Sitten hätte die Großmutter wohl gesagt.

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